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Ein Stolperstein für Paul Niedermair

Allgemein

Stolperstein für Paul Niedermair (Quelle: privat)

Der Ortsverein der SPD Tannenbusch/Dransdorf/Buschdorf wird am Mittwoch, den 23. Juni 2021 ca. 10 Uhr mit dem Tiefbauamt und der Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum einen Stolperstein in Tannenbusch, Bertha-Lungstras-Straße 19, für Paul Niedermair verlegen.

Paul Niedermair ist im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv gewesen. Er war Opfer des Nazi-Regimes in Form von Zuchthaus-Aufenthalten und Zwangsarbeit. Nach dem Krieg hat er sich weiter um Bonn verdient gemacht. 

Der Elektriker Paul Niedermair, geb. am 16.02.1902 in Bonn, ist seit seiner Jugend politisch im sozialistischen Jugendverband und den Naturfreunden aktiv. Später wird er SPD-Mitglied und engagiert sich gewerkschaftlich. Er baut Anfang der 1930er Jahre, als Mitglied der neu gegründeten Siedlergemeinschaft, der Jakob Hengstler vorsteht, das Haus Berta-Lungstras-Str. 19. Kurz nach der Machtübernahme wird er kurzzeitig in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Freilassung kommt er Anfang 1935 in Kontakt mit Anton Schlemmer und Anton Hensmann, die in Beuel einen sozialistischen Widerstandskreis aufbauen.

Paul Niedermair war für die Organisation des Widerstandes in Bonn-Nord zuständig. Neben der Weitergabe von Informationen ging es um das Einwerben von Mitteln, der Verbreitung von verbotenen Druckschriften und dem Werben von Mitgliedern. Anhand der Anzahl von Druckschriften, die Niedermair erhielt, weiß man, dass seine Gruppe klein war. Unter ihnen befand sich sein Nachbar Helmut Hengstler, an den in der Berta-Lungstras-Str. 35 ein Stolperstein erinnert.

Bis Juni 1935 konnten Niedermair und seine Gruppe agieren, dann wurden sie von der Gestapo verhaftet. „Vorbereitung zum Hochverrat“ lautete die Anklage, auf die der in Köln  Klingelpütz   in   Untersuchungshaft   sitzende   Niedermair   wartete. Im Prozess wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er im Zuchthaus Siegburg und später in den Emslandlagern verbüßen musste. Gegen Ende des Krieges wurde er, wie viele andere aus den Bonner Widerstandskreisen, die mit ihm im Mai 1936 verurteilt wurden, in Strafbataillone 999 einberufen. Niedermair wurde in Griechenland eingesetzt und konnte im Juli 1945 nach Bonn zurückkehren. Er begann 1945 mit Kollegen sofort mit dem Wiederaufbau der Gewerkschaftsbewegung - später unter anderem als Bezirksleiter der IG Metall - sowie der Bonner Sozialdemokratie. Paul Niedermair starb 1979 in Köln.